07. Januar 2017   Aktuelles - Pressemitteilungen
Klage der Herero und Nama nutzen um über Lettow-Vorbeck zu reden

Am Freitag (06.01.2017) wurde bekannt, dass Vertreter der Volksgruppen der Herero und Nama aus Namibia in New York eine Sammelklage gegen Deutschland eingereicht haben. Sie fordern Entschädigungszahlungen wegen der Kolonialverbrechen Anfang des 20. Jahrhunderts. Im Jahr 1904 hatte der damalige deutsche Gouverneur der Kolonie, Lothar von Trotha, die planmäßige Vernichtung des Volksstamms der Herero angeordnet. Mindestens 60.000 Herero wurden daraufhin getötet[1]. Paul von Lettow-Vorbeck war an diesem Genozid maßgeblich beteiligt. Zwar teilte Lettow-Vorbeck nicht die Gesamtstrategie, aber die genozidale Kriegsführung Trothas verteidigte er nachdrücklich.
Obwohl erst im letzten Jahr die Umbenennung der Lettow-Vorbeck-Straße scheiterte, sieht DIE LINKE es als politische Pflicht an die Klage zum Anlass zu nehmen um die Gräueltaten von Lettow-Vorbeck zu Thematisieren um am Ende hoffentlich eine Mehrheit für die Umbenennung zu gewinnen.

 

„Die in der Klage geforderten Kompensationen halte ich für längst überfällig“, sagt der Fraktionsvorsitzende Torben Schultz, „Bei der von Deutschland gezahlten Entwicklungshilfe ist nicht garantiert, dass sie bei den Opfern ankommt. Die Nachfahren leiden heute noch unter Folgen des tausendfachen Mordes. Die deutsche Kolonialmacht hat nicht nur Familien zerstört, sondern den Herero und Nama wurde ihr Land und damit ihre Lebensgrundlage entzogen.“

 

Weiter geht Schultz auf die Verhandlungen zwischen Deutschland und Namibia ein: „Es ist absurd, dass die Nachfahren der Opfer des Genozids bisher von den Verhandlungen ausgeschlossen wurden. Die Bundesregierung muss mit den Herero und Nama direkt verhandeln. Gerade Deutschland hat eine historische Verantwortung, die Opfer des ersten deutschen Genozids aufrichtig zu behandeln. Und auch Mönchengladbach kann seinen Beitrag zu der Aufarbeitung leisten.“

Im letzten Jahr scheiterte die Umbenennung der Lettow-Vorbeck-Straße, da sich die Mehrheit der befragten AnwohnerInnen dagegen aussprach. In der Folge stimmte auch die Ratsmehrheit gegen die Umbenennung. Für die Linksfraktion hat aber eine solche Straßenbenennung eine gesamtstädtische Bedeutung und somit sollten alle BürgerInnen beteiligt werden. „Mönchengladbach möchte wachsen und auch touristisch Interessanter werden“, endet Schultz, „Da ist es niemanden zu erklären warum wir unkommentiert einen Kriegsverbrecher ehren. Nachdem Lammert im letzten Jahr erstmals von Genozid sprach und nun dieser Teil der Geschichte erneut in die Öffentlichkeit kommt, ist es wichtig die Chance zu nutzen und mit den BürgerInnen zusammen die falsche Ehr-Erweisung zu beseitigen.“

 


Hinweis:
1) Laut Gutachten Illife und Bley  gab es fast 700.000 Tötungen in den Genozids an dem Lettow-Vorbeck
und weitere mit ca. 70.000 Taten beteiligt waren. In der jetzigen Klageschrift steht, dass es um mehr als 100.000 Menschen geht, was nur Hereros und Nama meint. Die höchste Zahl an getöteten Hereros die derzeit nachweisbar sind, ist 65.000. Bei getöteten Nama liegen die Zahlen zwischen 10.000 und 20.000. An den Morden an den Nama war Lettow-Vorbeck nicht nachweisbar direkt beteiligt. Somit ist die hier gemachte Angabe von 60.000 getöteten Herero eine Vorsichtige Angabe, die nicht das ganze durch Deutsche verursachte Leid an verschiedensten Stämmen beschreibt.

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